Wien-Suedbahnhof Schriftzug auf Bahnhofsgebäude
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Martin Frey

Für Martin Frey sind Themen des Verfalls und des Verschwindens in Wien immer wieder von zentralem Interesse: So fotografiert er alte Geschäftsportale und Geschäfte, geheimnisvolle Auslagen oder Kennzeichen von Luftschutzkellern des Zweiten Weltkrieges an Hausfassaden in Wien.

Der Südbahnhof war lange Zeit vernachlässigter Nebenschauplatz meiner Reisen, fast immer ging es vom Westbahnhof in die weite Welt. Dennoch fand ich den Südbahnhof immer eleganter, großzügiger und weltstädtischer. Die weitläufige Kassenhalle, der Löwe als unübersehbarer Treffpunkt. die schwebenden Rolltreppen, die nach Osten oder Süden führten, in die Abfahrtshallen und zu den Bahnsteigen. Venedig, Budapest, aber auch Berlin waren einige meiner Reiseziele von hier.

Als klar wurde, dass der Hauptbahnhof gebaut wird und der Südbahnhof diesem Bauvorhaben weichen musste, waren die Aufnahmen des ersten Besuches eher eine Bestandsaufnahme und eine Festhalten des status quo. Doch die Bilder wichen nicht mehr aus dem Kopf, weitere Besuche kündigten sich an und damit eine Entdeckungsreise in die Vielschichtigkeit eines Bauwerkes, die man als Reisender gar nicht wahrnimmt. Und jeder neue Besuch hielt ein paar neue Überraschungen und Entdeckungen bereit.

Philipp Graf

Philipp Graf interessiert sich für alte Strukturen und neue Architekturen in Wien und der Welt. Mit Leidenschaft fotografiert er unter anderem alte Geschäftsportale und deren Beschriftungen in Wien.

Das Projekt Südbahnhof war sein erstes, das der Öffentlichkeit zugänglich ist.

Ich selbst habe nie eine Reise am Südbahnhof angetreten oder beendet. Möglichkeiten gab es immer wieder, aber durch die verkehrstechnisch ungünstige Anbindung begannen meine Reisen in den Süden vom Bahnhof Wien Meidling. Meine Reisen aus dem Osten endeten durch die europäische Zugführung am Wiener Westbahnhof, da die Züge nach Salzburg und München weitergeleitet wurden. Der Südbahnhof war für mich nur eine Station der Wiener S-Bahn, die sich in diesem Teil der Stammstrecke unterirdisch befindet - sozusagen bin ich am Südbahnhof immer vorbeigefahren.

Erst durch die fotografische Erkundung kam mir der Südbahnhof näher und entdeckte ich dabei so manches Detail. In Summe ist der Südbahnhof eine Erinnerung an die fünfziger Jahre, an eine Zeit, in der für eine größere Allgemeinheit nur das Reisen mit der Bahn leistbar war. Als eine Kathedrale des Wiederaufbaus symbolisiert er auch den Einzug der Modernität und der Schnelligkeit, sowie die Sehnsucht nach Reisen in den warmen Süden.