geschichte

Dritter Südbahnhof
(mit Ostseite und S-Bahn)

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde von der ÖBB der 2. Südbahnhof wieder in Stand gesetzt. Schäden gab es am Bahnhofsgebäude und an den Gleisanlagen, welche aber nicht so gravierend waren, dass sich ein Neubau rechtfertigte. In den fünfziger Jahren entschied die ÖBB, das gesamte Gelände neu zu gestalten. Geplant wurde an zwei Seiten: Einmal als öffentlicher Wettbewerb mit den Siegern Rudolf Maculan und Kurt Walder (1951), auf der anderen Seite plante die ÖBB selbst eine Neugestaltung mit dem Argument, dass die eingereichten Pläne nicht den Bedürfnissen entsprachen. Das Resultat war, dass mit den Plänen des Architekten Heinrich Hrdlicka (Zentralinspektor der Bauabteilung der ÖBB), unter Mitarbeit der Gewinner von 1955 – 1961, der 3. Südbahnhof errichtet wurde.

Während der Abrissarbeiten des zweiten Südbahnhofes wurde dessen stählerne Hallenkonstruktion aus 1874 zerlegt und nummeriert. Diese Konstruktion der französischen Maschinen- und Lokomotivfabrik "Compagnie de Fives" konnte beim Bau der ÖBB Hauptwerkstätten in Floridsdorf bei einer Werkstättenhalle erneut verwendet werden und existiert heute noch.

Die vormals getrennten Bahnhöfe Süd- und Ostbahnhof wurden in einem Bahnhofsgebäude zusammengefasst. Dabei wurde der ehemalige Vorplatz der Bahnhöfe, der Gehgaplatz, mit einer riesigen Bahnhofshalle überbaut. Der Hochbau war zu dieser Zeit billig, dafür sparte man sich die Angleichung des Niveaus der Gleisanlagen und deren Neugestaltung. Die Gleisanlagen entsprachen jenen des Südbahnhofes von 1945, eine durchgehende Führung der Ost- mit der Südbahn war nicht vorgesehen. Auch blieben die alten Frachtenbahnhöfe, Zugförderungsanlagen und Wagenabstellplätze für beide Bahnhöfe (Süd- und Ostbahnhof) bestehen.

Während der Errichtung des 3. Südbahnhofes wurde auch die Südbahn zwischen Wien und Gloggnitz elektrifiziert und der Betrieb mit dem Winterfahrplan 1956 aufgenommen. Ab 1956 wurde zusätzlich für die Wiener S-Bahn eine unterirdische Bahntrasse gebaut, die unter dem Schweizer Garten am Wiedner Gürtel entlang, bis zum Südtiroler Platz führt. Die Eröffnung erfolgte mit der gesamten Stammstrecke der Wiener Schnellbahn (Wien Florisdorf – Wien Meidling) am 17. Jänner 1962.

Die neugebaute Bahnhofshalle, die nun eine direkte Gehverbindung zwischen Ost- und Südbahn darstellte, war in den Jahrzehnten immer wieder Anlass für architektonische und ökonomische Diskussionen. Die Bahnhofshalle bestand aus einer riesigen Kassenhalle mit ausgewogenen Proportionen und großer Raumhöhe. Ausgestattet war der "Tempel des Fortschritts" sowohl innen als auch außen mit vielen verschiedenen Steinarten- und formen, deren Verwendung wohl auch in der langen Bauzeit begründet lag. Dazu kamen Steinmosaike, Kunstwerke aus verschiedenen Materialien, elegante Türen aus eloxiertem Metall und Reklamen aus Leuchtschrift an den Seitenwänden der Kassenhalle - alles Elemente, die dem Südbahnhof ein modernes, südliches Flair geben sollten. Tageslicht kam nicht nur durch riesige Glasfenster an der Nord- und Südseite des Gebäudes in die Halle, sondern auch durch eine Lichtrasterdecke über der gesamten Haupthalle. Von Außen wirkte der Komplex eher schlicht und unauffällig und ließ kaum Rückschlüsse auf die inneren Dimensionen zu.
Insgesamt entstand eine eher problematische und unübersichtliche Gesamtanlage mit langen Wegen für Reisende, die aber wiederum sehr interessante Detaillösungen zeigte.

Der Haupteingang in den Bahnhof befand sich am Wiedner Gürtel, an der Nordseite. Man durchquerte die gesamte Kassenhalle und gelangte über Rolltreppen auf die erste Ebene, die die Bahnsteige der Ostbahn und das Bahnhofsrestaurants beherbergte. Über eine weitere Rolltreppe gelangte man auf die zweite Ebene, durchquerte eine Zwischenhalle und kam auf die Bahnsteige der Südbahn.
Die Wiener S-Bahn Station befand sich im zweiten Untergeschoss, die über eine kleine Kassenhalle im ersten Untergeschoss erreichbar war.

Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre modernisierte die ÖBB den Südbahnhof. Die schmalen Rolltreppen wurden durch breitere ersetzt. Um auch die Distanzen am Bahnhof zu verkürzen wurden zwei Fahrsteiganlagen eingebaut, die vom Erdgeschoß auf die erste Ebene und von dort über eine zweite Fahrsteiganlage direkt in die Zwischenhalle der zweiten Ebene mit Restaurant und Shops führte. Auch wurde an den äußeren Enden der Bahnsteige der Südbahn ein Ausgang mit Verbindung zum Busbahnhof Südtiroler Platz geschaffen. Von dort konnte man über einen Fußweg die U-Bahn Station "Südtiroler Platz" erreichen. Weiters wurde 1995/96 vom Atelier Hayde Architekten ein Parkhaus errichtet, das sich am Wiedner Gürtel, Richtung Südtiroler Platz, befindet.

In den darauffolgenden Jahren wurde der Südbahnhof immer mehr vernachlässigt und es wurden kaum noch Investitionen in Bahnhof und Infrastruktur getätigt. Der Bahnhof verfiel zusehends, erlangte dadurch einen schlechten Ruf und wurde bei der Bevölkerung immer unbeliebter. Trotz Öffnung der Ostgrenzen erhielt er nie eine Aufwertung und oder gar zentrale Bedeutung für den Bahnverkehr in die umliegenden Länder. Eine regelmäßige Änderung, die dem Südbahnhof jedoch widerfuhr, waren die Namenswechsel anläßlich der jährlichen Fahrplanwechsel. Hieß der Bahnhof anfangs noch "Süd-Ost-Bahnhof", wurde bald aus dem Ostbahnhof eine "Ostseite", ab 1991 "Wien Südbahof (Ost)" und ab 2002 sprach man von "Wien Südbahnhof Bstg. 1-9". Wohl mit ein Grund für die Zurückhaltung bei der weiteren Modernisierung und Adaptierung des Gebäudes dürften die seit den siebziger Jahren geführten Diskussionen über einen Zentralbahnhof für Wien gewesen sein. Darin wurde das Gelände des Südbahnhofes immer wieder als möglicher Standort genannt, in den achtziger Jahren wurde dieser Standort schließlich immer konkreter.

Ende der neunziger Jahre wurden die Pläne spruchreif und spätestens mit dem Spatenstich für den Hauptbahnhof im Jahr 2007 war klar, dass der Südbahnhof in dieser Form nicht weiter bestehen bleiben wird. Ab diesem Zeitpunkt begann auch der sukzessive Abbau. Im Herbst 2009 wurden schließlich auch Einrichtungsgegenstände des Südbahnhofes verkauft. Kunstwerke, wie der Markuslöwe des 2. Südbahnhofes, die Medieninstallation "Einen Augenblick Zeit" von Kurt Hofstetter und weitere wurden demontiert, sollen aber im neuen Hauptbahnhof wieder ihren Platz finden.

Der letzte Betriebstag des Südbahnhofes war der 12. Dezember 2009. Mit Fahrplanwechsel 2009/2010 übernahm der Bahnhof Wien Meidling alle Aufgaben der Südbahn. Für die Ostbahn wurde ein provisorischer Bahnhof auf den gekürzten Bahnsteigen des ehemaligen Ostteils aufgebaut. Die Wiener S-Bahn Station "Wien Südbahnhof" bekam neue Zu- und Aufgänge im Schweizer Garten.

Die große Abschlußparty vom 18. Dezember 2009 war schließlich einzigartig für ein Clubbing in Wien: vereinte dieses Fest doch mit seinen Gästen – so wie auch der Südbahnhof zu "Lebzeiten" – einen repräsentativen Querschnitt der Wiener Bevölkerung.
Der Abriss des 3. Südbahnhofes wurde am 4. Jänner 2010 in Angriff genommen und wurde im Sommer 2010 abgeschlossen.


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Plan 2009.
Quelle: Google Maps

Google Earth, 2009.